Reisebericht: Galapagos Kreuzfahrt

Kreuzfahrt auf den Galapagos Inseln

Es kostet ein bisschen Überwindung, sich vom Beiboot ins doch recht frische Wasser gleiten zu lassen. Aber der Neoprenanzug hilft und die Welt, in die man eintaucht, lässt die Kälte des Wassers sofort vergessen. Es wird ruhig, im dunkelblauen, glasklaren Wasser ziemlich nah an der felsigen Küste: ein Ozean voller bunter Fische – im wahrsten Sinne des Wortes. Langsam setzen wir uns in Bewegung, immer dicht am Fels entlang. Es dauert nicht lange, da taucht plötzlich etwas Großes direkt vor mir auf, erst wie ein Schatten, dann aber ganz klar zu erkennen, vielleicht 30cm vor mir; wir schauen uns für einen Moment in die Augen, eine Seelöwendame! Dann taucht sie so blitzschnell, wie sie gekommen ist, unter mir ab. Wow! Bei der glasklaren Sicht zeigt sich bald auch der erste Hai unter uns, ein Weißspitzenhai, vielleicht ein Meter lang. Elegant schwimmt er ca. zwei Meter unter uns vorbei. Die Seelöwen werden neugieriger und schwimmen immer wieder vor, neben und unter uns her, als ob sie uns eine Zeit umkreisen, wer beobachtet hier wen? Faszinierend. Das ist Schnorcheln auf den Galápagos Inseln!

Seelöwen sind auf Galapagos einfach überall
Seelöwen sind auf Galapagos einfach überall

Von Ulrike Falk-Neubert,

Eine kurze Erklärung vorab: Ich bin Geschäftsführerin des kleinen Spezialveranstalter für deutschsprachige Reisen in die Andenstaaten Südamerikas (Wir-sind-Südamerika GmbH) u.a. mit den Marken ECUADORline und GALAPAGOSline und ich habe den Traumberuf, Menschen mit unvergesslichen Erlebnissen glücklich zu machen.

Bei Ankunft mit dem Flugzeug auf der Insel Baltra nehme ich zunächst einen der Flughafenbusse zum Hafen der Insel, um mir dort einige Schiffe anzusehen. Das war so vorab ausgemacht. Kurz vor dem Hafen sieht man schon von Weitem einen ziemlich großen, gelblichen Landleguan über die Straße laufen. Der Busfahrer stoppt und wartet geduldig. Ich bin der einzige Passagier im Bus, Gelegenheit ein Gespräch mit dem netten Busfahrer zu beginnen. Und schon hat der Leguan die andere Straßenseite erreicht und es geht weiter. Am Hafen Begrüßung durch DAS Galápagos Geräusch schlechthin: Seelöwengebrüll. Und da liegen sie auch schon: einer mitten auf der Bank an der Bushaltestelle, der andere auf dem Steg und viele im Schatten unter dem Steg.

Bei der Beibootfahrt zum ersten Schiff taucht etwas neben uns im Wasser auf, wie kleine Flossen: „Mantas“ sagt der Dinghi Fahrer, Rochen direkt neben uns: Willkommen auf Galápagos, denke ich! 

Ulrike FALK-NEUBERT
Galapagos Inseln, Riesenschildkröten im Hochland von Santa Cruz

Ich war eine Weile nicht hier, aber das Gefühl ist sofort wieder da: das hier ist MEIN Paradies auf Erden!  Auch wenn Puerto Ayora auf der Insel Santa Cruz mittlerweile kein verschlafenes Fischerdorf mehr ist, sondern ein recht quirliger Ort, der größte der Galápagos Inseln, ist hier das Nebeneinanderleben von Pelikanen, Seelöwen, Meeresleguanen, Blaufußtölpeln & Co und dem Menschen, sei es Einwohner oder Tourist, nach wie vor gleichgeblieben. Für mich der ideale Ort, um mich vor der Kreuzfahrt schon ein wenig auf Galápagos einzustimmen. Mit jedem Schritt kann man hier individuell schon viel entdecken und erleben: Die Schildkröten im Hochland sind ein Muss, auch die Charles Darwin Station ist ein sehr interessanter Besuchspunkt, Schnorcheln bei den „Grietas“ macht viel Spaß und wunderschön ist der Besuch des Traumstrandes Tortuga Bay – am besten ganz früh morgens, wenn noch niemand anderes hier ist: einmalig.

Ich bleibe drei Tage in Puerto Ayora, schaue mir viele Schiffe und Hotels an und nutze immer wieder die übrige Zeit, kleinere Ausflüge zu machen, bevor es dann auf den Katamaran Seaman Journey geht. Wenn es um Puerto Ayora herum schon schön und interessant ist, so toppt eine Kreuzfahrt doch das alles um ein Vielfaches. 

Während einer Galapagos Kreuzfahrt tauchen Sie nun richtig ein, in das, was Galapagos so absolut einmalig macht: Kein Tier hat Scheu vor dem Menschen, ob über oder unter Wasser, Natur pur vom Feinsten. Wir dürfen dieses Verhalten nicht mit Gewöhnung an den Menschen verwechseln, das wäre falsch: Die Tiere haben schlichtweg (aus Mangel an Feinden) ihren Fluchtinstinkt verloren.

Eine Kreuzfahrt heißt, die Tierwelt der Galapagos Inseln hautnah zu erleben und das in einem höchst angenehmen Ambiente. Der Katamaran Seaman Journey gehört zur Kategorie der guten Mittelklasse. Es gibt einfachere Schiffe auf den Inseln, aber der Trend geht auf Galapagos nun schon seit einiger Zeit zu viel luxuriöseren Schiffen. Es kann ja jeder für sich entscheiden, wie er reisen möchte, eins bleibt bei allem gleich: die faszinierenden Erlebnisse in der Tierwelt. Wichtiger als die Kategorie des Schiffes, ist für uns immer das Routing, also das WAS werde ich in meinen Tagen auf See zu sehen bekomme.

16 Passagiere haben ausreichend Platz an Bord, wir sind zwölf plus Crew: Eine bunt gemischte Gruppe: Kanadier, Süd-Koreaner, Neuseeländer, USA-Chinesen, Engländer und Deutsche.

Insel Nord Seymour, junger Blaufußtölpel
Insel Nord Seymour, junger Blaufußtölpel

Die Kabinen sind ausreichend groß, dezent und angenehm gestaltet, die Betten sind bequem, das Badezimmer ist mit sehr guter Dusche geräumig, das Essen ist super, sehr abwechslungsreich, jeden Tag gibt es außer internationalen Gerichten auch so einiges an lokalen Spezialitäten zu probieren: Ceviche, Humitas, Yuccita frita, Llapingachos, Bolon Verde, Tamales… was das alles ist? Auf jeden Fall ist es sehr lecker! Im täglichen Briefing bekommen wir von unserem Guide Camilo erklärt, was wir am nächsten Tag besuchen werden. Ab und zu hält er auch einen Vortrag an Bord zu einem Thema der Galapagos Inseln, so wissen wir z.B., dass die zu Anfang erwähnten „bunten Fische“ mit dem warmen Panama-Strom hierherkommen, schließlich gibt es ja auf den Galapagos Inseln auch Pinguine, z.B. bei der Insel Bartolomé oder auf der Insel Isabela, also laienhaft ausgedrückt, trifft hier Tropisches auf Antarktisches.

Nach jedem Ausflug werden alle an Bord wieder herzlich begrüßt, meist mit einem kleinen Snack und etwas Leckerem zu trinken. Am Dankbarsten bin ich für die so herrlich schmeckende heiße Schokolade nach den Schnorchelausflügen. Wir alle werden verwöhnt!

Für uns gibt es heute eine erste sehr kurze Überfahrt zur Insel Nord Seymour. Schon von Bord aus kann man die Vogelwelt in der Luft beobachten. Pfeilschnell stürzen sich z.B. die Blaufußtölpel von hoch oben ins Wasser: ihre Art zu fischen.

Die Insel Nord Seymour ist also unser erster Besuchspunkt, am Nachmittag von Tag 1. Die Landung ist „trocken“, also vom Katamaran auf das Beiboot und mit dem Beiboot an Land, zwar etwas wackelig, aber alle kommen gut an Land. Die Dinghi-Fahrer machen das wirklich gut!!

Galapagos Inseln: Ceviche ist eine Spezialität
Galapagos Inseln: Rotfußstölpel auf der Insel

Wir sehen Fregattvogelmännchen beim Balzen, die riesigen roten Kehlsäcke sieht man schon von weitem, über uns schwirrt es nur so am Himmel, in erster Linie Fregattvögel. Die Räuber der Luft, wir werden Zeuge, wie sie immer wieder versuchen, oft mit Erfolg, anderen Vögeln, deren Fang abzuluchsen. Das ist nicht sehr sympathisch, aber spannend zu beobachten. Wir durchqueren eine Kolonie junger Blaufußtölpel, die bereits auf eigenen Füßen stehen – einige Landleguane zeigen sich und Seelöwen posieren in der nun schon etwas tiefer stehenden Sonne. Der Rundweg ist nicht lang, er ist aber steinig und uneben. Was für ein schöner erster Ausflug! 

Über Nacht fahren wir weit in den Norden zur Insel Genovesa. Morgens beim Aufwachen bietet sich bereits ein ganz anderes Panorama. Wir ankern in der riesigen Bucht der Insel – ein halber Krater um uns herum. Auf Genovesa gibt es zwei Anlandungstellen. Zunächst geht es zu den sog. Prinz-Phillipp Treppen: Unzählige Rotfußtölpel erwarten uns, Maskentölpel, Tropikvögel, Galápagos-Taube und vieles mehr an Seevögeln. Überall Nester, mit oder ohne Eier, ein Gezwitscher, Geschrei, Gebalze, und man ist mittendrin, plötzlich ein Teil dieser Welt, Genovesa ist ein Paradies für Vogelliebhaber! Über viele Stufen erklimmen wir das Hochplateau, hier stolpern wir fast über die Vögel. Auf Galápagos geht nichts „schnell“, es wird langsam gegangen, immer wieder stehen geblieben, erklärt und fotografiert, fotografiert, fotografiert…

Die Ausflüge dauern meist zwei Stunden oder auch länger. Es kommt nicht das Gefühl auf, dass man gedrängt wird, wieder zurück zu gehen, aber dennoch muss jedes Schiff seine festen Zeiten für die Landgänge einhalten. Nur so kann kontrolliert werden, dass nicht zu viele Besucher zur gleichen Zeit an einem Ort sind. Und das funktioniert gut!

Galapagos Inseln: Corona Information GALAPAGOSline
Galapagos Inseln: Corona Information GALAPAGOSline

Weitere Ausflüge heute: wer möchte, kann eine Runde mit dem Kajak fahren. Natürlich möchte ich. Auf Genovesa lebt eine kleine Kolonie von Pelzrobben, an denen fahren wir mit dem Kajak vorbei. Die Pelzrobbe ist eigentlich nachtaktiv, doch das scheint ihnen heute nicht so bewusst zu sein. Die jungen Herren der kleinen Kolonie sind offensichtlich unzufrieden und tragen Ihre Unstimmigkeiten zur Schau, bis einer ins Wasser taucht, dann ist wieder Ruhe. Auch sehen wir während der Kajakfahrt einen ersten Schildkrötenkopf aus dem Wasser tauchen.

Schnorcheln im Anschluss, wie zu Anfang beschrieben, einfach toll! Und am späteren Nachmittag geht es dann an den kleinen Strand und zum Besuch der dahinterliegenden Vogelkolonien. Über unseren Köpfen erneut ein Schwirren in der Luft. Nun sind es in erster Linie Maskentölpel, die hier brüten. Besonders schön ist es, wenn sie zum Landeanflug ansetzen, mit weit ausgebreitenten Flügen und abgespreizten Füßen kommen Sie auf einen zu geflogen, dicht über uns hinweg, als wollten sie auf unseren Köpfen landen, aber nein kurz dahinter auf dem Strand.  In den Mangroven sitzen viele Rotfußtölpel, einige brüten, andere kokettieren miteinander. Wir stehen ca. zwei Meter davor und sie stören sich überhaupt nicht an uns, wie eben kein Tier auf den Inseln. Das Licht wird weicher, herrliche Stimmung, die knallroten Füße stechen herrlich von dem Grün der Mangroven ab. Bei fast schon untergehender Sonne kommen wir zurück an Bord, was für ein Tag. Wieder unfassbar!

Galapagos Inseln: Ceviche ist eine Spezialität
Galapagos Inseln: Riesige Kakteen auf der Insel Santa Fé

Heute Nacht muss ich an einen Guide in Afrika denken, der immer sagte, wenn die Straße holprig wurde: let´s rock and roll. Genau so fühlt sich die nächtliche Rückfahrt vom Norden zurück zur zentralen Inselgruppe an, let´s rock and roll gegen die Strömung. Aber sicher fährt uns unser Kapitän zur Insel Süd Plazas.

Morgens schaue ich aus dem Fenster: die Insel erstrahlt in leuchtendem Rot. Die hiesige flache Vegetation ist ein halbes Jahr lang grün und die andere Hälfte des Jahres rot. Toll heben sich hier die gelben Landleguane ab, die sich von Kaktusfrüchten ernähren. Aber erst einmal müssen wir auf den Weg kommen. Wir landen an und nach ca. 5 Metern auf „unserem“ Rundweg, liegt ein recht imposantes Exemplar eines Seelöwenbullen, der nicht daran denkt, den Weg zu räumen. Camilo versucht mit Händeklatschen, den Koloss zu animieren, sich zu bewegen, aber von wegen: Er macht ein nicht freundlich wirkendes Gebrüll in unsere Richtung, macht uns klar: hier geht es jetzt nicht weiter. Also suchen wir uns einen anderen Weg, bis wir in sicherem Abstand wieder auf den gekennzeichneten Pfad gelangen. Süd-Plazas ist klein, der Weg ist nicht lang, aber es gibt richtig viel zu sehen. Über Mittag geht es weiter zur Insel Santa Fé.

In Santa Fé steht für jeden der möchte Schnorcheln auf dem Programm. Das ist für mich immer ein Muss, denn es gibt jedes Mal etwas Spannendes zu sehen, so auch hier: Schildkröten, Haie, pfeilschnelle riesige Seelöwen, die an uns vorbei jagen, unglaublich viele Fische in allen Farben, in großen und kleinen Formationen, Seesterne, Seeanemonen, aber die Attraktion der Bucht sind die Schildkröten. Mich fasziniert mit was für einer majestätisch wirkenden Ruhe, sie durchs Wasser gleiten.

Wieder aufgewärmt an Bord, geht es zurück in die Beiboote und wir landen am schönen Strand der Bucht von Santa Fé an. Hier beobachten wir die sehr aktiven Seelöwen am Strand. Ich könnte ewig hier sitzen bleiben und schauen. Sie glauben nicht, wie viele Seelöwenbilder Sie während einer Galapagos Kreuzfahrt machen werden!!!

Hier auf Santa Fé sind die Kakteen baumhoch und prägen das Inselbild. Und hier lebt auch der endemische Santa Fé Landleguan. Wir begeben uns auf die Suche, aber heute ohne großen Erfolg. Aber die untergehende Sonne, das Panorama, die Laute der Seelöwen dazu, entschädigen absolut. Ein erneuter vielseitiger Tag mit unglaublichen Tierbegegnungen!

Für mich ist am nächsten Tag, nach dem morgendlichen Besuch der Schildkrötenstation auf der Insel San Cristobal, leider die Kreuzfahrt schon zu Ende und auch mein Aufenthalt auf den Inseln. Viel zu kurz, wie ich finde! Vom nahen Flughafen aus geht es also später mit dem Flugzeug zurück nach Guayaquil.

Zum Schluss muss ich aber doch noch eine Seelöwen Anekdote erzählen. Ich hatte eine weitere Schiffbesichtigung vereinbart. Der sehr nette Kapitän erwartet mich zum verabredeten Zeitpunkt an der Mole, von weitem sehe ich schon, dass er mit dem Handy etwas filmt und dann sehe ich was: Der Steg zur befestigten Mole ist wohlweislich mit einer Holztür gesichert. Warum? Offensichtlich, damit die Seelöwen nicht weiter hier hochkommen. Aber die Seelöwendame auf diesem Steg stämmt sich doch tatsächlich auf den Hinterflossen stehend gegen die Tür und möchte definitiv hier durch, unglaublich. Die Tür hält stand, die Dame gibt nach einiger Zeit auf und legt sich quer davor, so dass wir eine ganze Weile warten müssen, bis sie sich wieder bewegt und wir von der anderen Seite durch die Tür gehen können, um ins Boot zu steigen.

Auf Galapagos geben die Tiere den Rhythmus vor – und das wird auch hoffentlich immer so bleiben!

Insel Santa Fe im Abendlicht, stundenlang könnte man den Seelöwen zuschauen
Insel Santa Fé im Abendlicht, stundenlang könnte man den Seelöwen zuschauen
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